CfP: Musikformulare und Presets (Hildesheim)

Stiftung Universität Hildesheim:
“Musikformulare und Presets. Musikkulturalisierung und Technik/Technologie”
29. und 30. Mai 2015 – Institut für Musik und Musikwissenschaft, Kulturcampus Domäne Marienburg, Stiftung Universität Hildesheim
Deadline: 20.02.2015

Konzept/ Organisation: Dr. Alan Fabian und Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt

Prozesse des Musizierens und der Musikproduktion sind durchdrungen von formalen Vorlagen, die in Köpfen und Technologien gerastert und geregelt werden. Notations-, Speicher-, Wiedergabesysteme und -formate wirken als gelernte und/oder apparative Verfahren stark bestimmend. Obwohl ›Musikformulare‹ und technologische Vor-Einstellungen (›Presets‹) fundamentale Wissensorganisatoren sind, verschwinden sie – manchmal buchstäblich als Masken bezeichnet – hinter irgendetwas, das schließlich als Musik erscheint.

Musiknotationen, grafische Oberflächen von Musikprogrammen, Steckfelder modularer Synthesizer etc. als Musikformulare zu begreifen, verschiebt die Sichtweise auf Musiktechniken/- technologien weg von den Möglichkeiten, die diese eröffnen, hin zu den Einschränkungen, die sie im Eigentlichen bedeuten. Denn in Formulare, wie beispielsweise der Steuererklärung, ist nur eintragbar, was vorgesehen ist – verallgemeinernd gesagt, was von der Welt zu wissen nötig ist, geben Formulare vor. So zeigen sich Musikformulare als Speicher von (musikbezogenem) Wissen.

Presets im Kontext der Musikproduktion sind Voreinstellungen von Parametern zur Klangbildung. Sie kommen als werksmäßig vorgefertigte Musikpattern, Sounds, Rhythmen sowie Effekte vor. Sie scheinen rein ›technischer Natur‹ zu sein, wirken zumeist hintergründig und verkürzen vielleicht Arbeitsschritte. Presets, positiv begriffen, befriedigen Bedürfnisse. Presets, pessimistisch aufgefasst, sind ästhetisch hochgradig suggestiv.

Erkenntnisinteressen: Auf der Tagung sollen kulturwissenschaftlich informierte, musikwissenschaftliche Forschungen und Forschungsskizzen präsentiert werden, die Techniken und Technologien des Musikmachens als kulturelle Wissensspeicher und Wissensgeneratoren annehmen. Zu erkennen, wie, wo und welches Wissen in Musikformularen und Presets verteilt ist, kann als besonders aufschlussreich angesehen werden. Musikformulare verhärten nicht nur ›Vor- Stellungen‹ oder bieten Möglichkeiten der Subversion. Sie tragen darüber hinaus als Musiktechnologien nicht selten Entwürfe in sich, die in bestimmten Kulturzusammenhängen in dieser Weise noch gar nicht explizit gewusst werden.

Gesucht werden Beiträge zu Produktionstechniken/-technologien bzw. Memorierungstechniken/-technologien. Forschungsgegenstände (exemplarisch) zu denen für die Arbeitstagung gerne spezialisierte Auseinandersetzungen oder auch Works in Progress sogenannter Nachwuchsforscher*innen vorgeschlagen werden können:

  • Musiknotationen, -notate, -datenformate
  • Selbst-schreibende MusikMachDinge, humane und non-humane Regler
  • Musikelektronik (Synthesizer, Tonbandgeräte, Effektgeräte usw.)
  • Studio- und Entwicklungsumgebungen (Sequenzer-Programme, Sampler), Set Ups (Umgebungen phonographischer Live-Musikgestaltung)
  • Musiktechnologische Schaltungen und Algorithmen, Presets (Arpeggio-Standards, Soundbänke und Ordnungen der Namen, technologisierte Metaphern als Kultur- und Gender-Skripte)
  • Datenerhebungsformulare im Kontext von Musik (Musikpsychologie und -soziologie), Masken der Musikwissenschaft und -geschichtsschreibung

Anmeldeformalia:

Perspektiven aus Systematischer Musikwissenschaft, Musikpraxis, Medienwissenschaft, Informatik, Kultur- und Techniksoziologie, Organisationstheorie und weitere sind gleichermaßen willkommen. Vorträge sollten einen zeitlichen Umfang von max. 30 Minuten haben. Für Präsentationen in anderen Formaten schreiben Sie uns gerne an. Konzertante Installationen als diskursive Beiträge sind möglich und willkommen. Bitte senden Sie Abstracts (max. 2 S.) bis zum 31.01.2015 an ismaielw@uni-hildesheim.de. über eine Aufnahme ins Programm benachrichtigen wir bis zum 20.02.2015.

Die Arbeitstagung wird gefördert durch:
Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Reise- und übernachtungskosten können rückerstattet werden. Für Verpflegung wird ein Unkostenbeitrag von 20 Euro erhoben.

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