CfP: Amerika-Euphorie – Amerika-Hysterie (Deutsches Volksliedarchiv)

Deutsches Volksliedarchiv:
„Amerika-Euphorie – Amerika-Hysterie – Populäre Musik made in USA in der Wahrnehmung der Deutschen 1914–2014“
13.–15. November 2014 – Deutsches Volksliedarchiv, Freiburg im Breisgau
Deadline: 31. März 2014

Mit vielleicht keinem zweiten Land verbindet die Deutschen eine so reichhaltige und wechselvolle Geschichte wie mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Maßgeblich hierfür waren neben den weltpolitischen Verwerfungen des 20. und 21. Jahrhunderts stets die kulturellen Güter, allen voran die Musik. Nicht selten gingen dabei politische und kulturelle Wahrnehmungen Hand in Hand. In Zeiten der Weimarer Republik etwa floss der Jazz unaufhaltsam in die deutsche Unterhaltungskultur ein und begeisterte Publikum und Künstler gleichermaßen, gleichzeitig repräsentierten die USA für konservative Kreise einen libertär-demokratischen Geist, dem ein ‚zersetzende‘ Wirkung auf die deutsche Gesellschaft unterstellt wurde. Die ambivalente Beziehung der Deutschen gegenüber den USA setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort: Ob als ‚Befreier‘ und Verbündete oder als ‚imperialistischer Feindesstaat‘ – je nach politischer Gesinnung und kultureller Zugehörigkeit konnte man in den USA und ihrer Kultur die Verheißung schlechthin oder den ultimativen Dämon erkennen. Euphorie und Hysterie bildeten gewissermaßen den roten Faden in der Amerikarezeption der Deutschen.

Das Deutsche Volksliedarchiv veranstaltet im Rahmen seines einhundertjährigen Bestehens eine Tagung zur affirmativen und kritischen Rezeption US-amerikanischer Musikkultur in Deutschland von 1914 bis heute. Mit dem Ziel, einen interdisziplinären, multiperspektivischen Zugang zum in Rede stehenden Phänomen zu eröffnen, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen eingeladen, Themenvorschläge einzureichen. Leitfragen könnten sich auf die teilkulturelle Aneignung der Musik (z.B. in Jugendkulturen), die Thematisierung der USA in deutschsprachiger Musik oder öffentliche/mediale Diskurse (in Ost und West) beziehen. Zum Zweck einer gezielten Auseinandersetzung mit spezifischen Aspekten des Phänomens schlagen die Veranstalter folgende Sektionen vor:

Sektion 1: It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing). Jazz-Rezeption in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Gegenstand der Betrachtung sollen all jene sozialen und künstlerischen Transformationsprozesse sein, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des Jazz (in all seinen Erscheinungsformen) vollzogen. Damit soll jene Zeitspanne in den Blick genommen werden, in der die afroamerikanisch geprägte US-Musik unwiederbringlich in Deutschland Fuß fasste, wobei sie gleichermaßen das Musikverständnis der traditionellen Meinungseliten herausforderte und nachhaltig Einfluss auf die Hörgewohnheiten breiter Bevölkerungsschichten nahm.

Sektion 2: Rock Around the Clock. Rock’n’Roll und Jugendkultur im Nachkriegsdeutschland

Untersucht werden soll die gesellschaftliche Aneignung des Rock’n’Roll in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg – dies umfasst die unmittelbaren Vorläufer wie Rhythm & Blues und Rockabilly genauso wie die nachfolgende Erfolgswelle der Motown-Künstler. Der Bogen lässt sich hierbei von den adaptiven, fast schon imitativen Darstellungsweisen einzelner Musikerinnen und Musiker über jugendkulturelle Rezeptionsphänomene wie etwa den legendären Gewaltausbrüchen während der Bill-Haley-Tour 1958 bis hin zu den medialen Diskursen zur ‚Vollamerikanisierung‘ der westdeutschen Gesellschaft spannen.

Sektion 3: What the World Needs Now Is Love. Vietnam, Flower Power und die „68er“

Im Verlauf der 1960er Jahre wurde die öffentliche Wahrnehmung der USA zunehmend durch die (massenmedialen) Bilder von Krieg und Zerstörung in Vietnam geprägt. Hinzu kam die Berichterstattung über die Rassenunruhen und Studentenproteste in den USA selbst. In musikkultureller Hinsicht nahm zum einen die drogenaffine Psychedelia-Bewegung mit ihrem Zentrum an der US-amerikanischen Westküste eine Vorreiterrolle ein, zum anderen suchten viele Künstlerinnen und Künstler eine Anknüpfung an die Traditionslinie der politischen Singer-Songwriter à la Woody Guthrie. All dies traf in Deutschland auf eine Generation junger Menschen, die des Konservativismus der Adenauer-Ära sowie der kollektiven Verdrängung der NS-Zeit überdrüssig war.

Sektion 4: Express Yourself. Pop-Giganten in Film, Funk und Fernsehen– und Internet

Mit Megastars wie Michael Jackson und Madonna stieß die Popmusik in den 1980er Jahren in neue Dimensionen globaler Popularität und medialer Inszenierung vor. Von besonderer Bedeutung hierfür war der Fernsehsender MTV, der die Entwicklung einer neuartigen, ästhetisch eigenständigen Clipkultur anstieß – in Deutschland fand diese Kultur schon bald ihren Niederschlag in Form von Musiksendungen wie Formel Eins. Insgesamt wurde in den 1980er Jahren das Amerikabild der Deutschen diffuser, die Rezeption von Popmusik in der Breite zunehmend entpolitisiert. Heutzutage prägt nicht zuletzt die globalisierte Welt des Web 2.0 die Wahrnehmung von populärer Musik, allerdings unter der Prämisse, dass die meistfrequentierten Webseiten (Youtube, Facebook u.a.) aus den USA stammen.

Als Hauptredner haben zugesagt: Prof. Dr. Christoph Jacke (Paderborn), Prof. Dr. Kaspar Maase (Tübingen), Prof. Dr. Martin Pfleiderer (Weimar), Prof. Dr. Peter Wicke (Berlin).

Für jeden Vortrag werden max. 25 Minuten veranschlagt. Die Themenvorschläge sind in Form von Abstracts (max. 1000 Zeichen) zusammen mit kurzen Angaben zur Person bis zum 31. März 2014 unter folgenden Adressen einzureichen:
michael.fischer@dva.uni-freiburg.de
christofer.jost@dva.uni-freiburg.de

Kontakt:
Dr. Dr. Michael Fischer
PD Dr. Christofer Jost
Deutsches Volksliedarchiv
Rosastraße 17-19
D – 79098 Freiburg

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